Dominic Thiem: Erst „dann würde ich aufhören“!

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Mit leiser Stimme hat Dominic Thiem auf seine Zwei-Satz-Niederlage beim Davis Cup in Rijeka zurückgeblickt. Die Zweifler an seiner Fähigkeit, wieder ganz auf das Toplevel zurückzukommen, sind ersten Internet-Kommentaren zu Folge nach dem 3:6, 6:7 gegen Borna Gojo nicht weniger geworden. Für Thiem ist die Phase alles andere als einfach. Im Interview nahm er zu Unkenrufern, seinem Management und zur Suche nach seinem Feuer Stellung. 

Fehlende Matchpraxis, fehlendes Selbstvertrauen – wie wollen Sie weiter vorgehen?

Dominic Thiem: Das Einzige, was ich machen kann, ist weiterarbeiten und weitertrainieren. Ich habe vom ersten bis zum letzten Punkt voll gefightet. Darauf lässt sich sicher aufbauen, wenn ich das mache, erhöhe ich mir die Chancen.

Es gibt viele Unkenrufer. Wie verunsichert sind Sie selbst?Thiem: Es ist eine schwierige Situation, auf jeden Fall. Es ist für mich nicht immer leicht, was in den letzten eineinhalb Jahren seit den US Open war. Was ich machen muss, so wie heute, alles geben, voll fighten vom ersten bis zum letzten Ball. Dann habe ich sicher eine Chance, dass ich wieder auf ein sehr gutes Level komme. Das ist auch die einzige Chance.

Steckt es nur in Ihnen selbst oder müssen Sie irgendwann darüber nachdenken, dass Sie sich zusätzliche Kräfte von außen holen müssten?Thiem: Im Endeffekt hängt es am meisten von mir ab, oder nur von mir. Wenn zu viele Stimmen von außen kommen, ist es nicht gut. Ich bin 29, ich werde bald 30 und es ist die einzige Chance, dass ich zu 100 Prozent den Willen aufbringe, wieder ein Toplevel zu erreichen. Da kann ich mir auch einen Roger Federer holen, wenn ich es nicht aufbringen kann … Ich muss schauen, dass ich das bewerkstellige. Vom Auftritt her war das heute definitiv ein gutes Match, ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Die Schwierigkeiten von Kosmos bezüglich des Davis-Cup-Vertrages haben für Schlagzeilen gesorgt. Kosmos managt Sie, macht Sie das nachdenklich?Thiem: Es ist genau das Gleiche, was ich vorher gesagt habe. Mein Management wird mich nicht zum besseren Spieler machen, mein Management wird auch nicht das Feuer in mir entfachen. Da ist es egal, wer mich managt. Man muss auch sagen, dass Kosmos kein großes Glück mit mir gehabt hat. Ich habe unterschrieben und habe mir fünf Tage danach das Handgelenk zerfetzt. Das ist nicht gut gelaufen, weder für mich noch für die. Was von außen kommt, ist im Moment nicht wichtig. Es ist für mich selber wichtig, dass ich voll das Feuer entfache.

Brennt dieses Feuer nicht mehr so hell wie vor der Verletzung?Thiem: Es ist nach den US Open einmal erloschen (lacht). Aber darüber haben wir eh schon geredet. Ich will mir selbst deshalb auch nichts vorwerfen. Es gibt Spieler, die einen großen Erfolg feiern, die das noch weiter anspornt, die es noch weiter dazu bringt, noch bessere Leistungen zu bringen. Die sofort Feuer und Flamme sind, den nächsten Grand-Slam-Titel zu holen. Bei mir war es nicht so, ich bin ein anderer Typ. Da habe ich auch eine Zeit lang gebraucht, bis ich das akzeptiert habe. Dass ich mir ein bisserl schwerer tu‘ als manche andere. Was ich auch sicher lernen habe müssen, dass es nur auf mich selber ankommt und ich selber das regeln muss.

Ist denn dieser Glaube, dass Sie wieder genau dort hinkommen werden, wo Sie schon einmal waren, noch da?Thiem: Der ist noch da. Auch wenn er nur ganz klein da sein sollte, er ist da. Und ich bin sicher, dass er auch wieder größer werden wird. Und wenn er weg wäre, dann würde ich nicht mehr hier sitzen, dann würde ich aufhören und würde ein anderes Leben leben. Aber der Glaube ist definitiv da.

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